14.03.2016 - Diskussion anlässlich des Internationalen Frauentags

 

Haßfurt. Anlässlich des jüngsten Vorstandstreffens des Linksbündnisses in Sand nahm Sabine Schmidt zum internationalen Frauentag (IF) Stellung. Da der nicht nur für Deutschland Bedeutung besitze, müsse man über die Grenzen in Europa hinaus blicken. Die deutsche Regierung umwerbe zurzeit heftig die Türkei, vernachlässige dabei aber die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen durch Präsident Erdogan. So seien in Istanbul und anderen türkischen Großstädten Kundgebungen zum IF verboten worden, wie die Nachrichtenagentur Etha berichtete. Trotzdem seien tausende Frauen zu einer Kundgebung in Istanbul auf, wo sie mit Wasserwerfern durch die Polizei angegriffen wurden. Ihnen gelte uneingeschränkte Solidarität. 

 

Aber auch in Deutschland würden Frauen Grenzen gesetzt, die es zu überwinden gelte. Der Kampf um Gleichstellung im öffentlichen Raum, zu Hause oder bei der Arbeit sei längst noch nicht beendet. So seien in Minijobs und Teilzeitstellen vor allem Frauen zu finden, oft nicht, weil sie weniger arbeiten wollten, sondern weil sie keine anderen Verträge angeboten bekämen. Das habe nicht nur Folgen fürs Einkommen, sondern auch für die zu erwartende gesetzliche Rente. Daher dürfte in den kommenden Jahren die Zahl derer, die im Alter in Armut leben müssen, stark ansteigen. „Armut im Alter ist weiblich“ meinte Sabine Schmidt, „denn zwei Drittel der Bezieher von Grundsicherung im Alter sind Frauen.“

Im Durchschnitt lägen die eigenständig erworbenen Einkünfte von Frauen im Ruhestand um 60 Prozent unter denen der Männer. Selbst unter Einbeziehung aller abgeleiteten Ansprüche betrage die Rentenlücke immer noch 40 Prozent.

 

Weiter besorgniserregend sei, dass vor allem Frauen durch das fortgesetzte Sinken des Rentenniveaus früher und tiefer in Altersarmut gerieten als Männer. Noch 2012 hätte eine Frau mit einem Durchschnittseinkommen 39 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen, um Ruhestandsbezüge über Grundsicherungsniveau zu erhalten. 2025 werde eine Frau mit identischem Arbeitsentgelt bereits mehr als 42, weitere fünf Jahre später mehr als 45 Jahre Beiträge zahlen müssen, um im Alter mehr als die heutige Grundsicherung zu erhalten. 

 

Um Frauen auskömmliche Alterseinkommen zu sichern, bleibe auch beim Arbeitsentgelt - und den damit verbundenen Sozialversicherungsbeiträgen – viel zu tun. So habe zwar die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zu mehr Sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung geführt. Doch mit 8,50 Euro pro Stunde sei für die gesetzliche Rente nicht viel getan. In einer Bilanz zu einem Jahr Mindestlohn sei festzustellen, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs zwar gewachsen sei, aber um im Alter auf eine Rente über dem Grundsicherungsniveau zu kommen, verwies Sabine Schmidt auf Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums, nach denen Beschäftigte 45 Jahre lang einen Stundenlohn von mindestens 11,50 Büro in Vollzeit erzielen müssten, um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu bekommen. Es bleibe also noch einiges zu tun, bis ein arbeitsreiches Leben nicht mehr in Altersarmut münde.

 

Abschließend bemerkte Thomas Dietzel, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen nach Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes auch im Jahr 2014 nicht gestiegen sei, er bewege sich nahezu unverändert bei 29 Prozent. Damit liege Deutschland unter dem Durchschnitt der EU-Mitgliedsstaaten, wo 2014 rund jede dritte Führungskraft (33 Prozent) eine Frau gewesen sei. 

 

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